Montag, 9. Januar 2017

Erste Eindrücke aus der Karibik … (Teil 1)



Jetzt bin ich schon den 5. Tag in der Dominikanischen Republik. Hier ist für euch der erste Teil des Rückblicks auf die Reise und meine ersten Eindrücke.

Tag 1 (5.1.2017): Reise von Grevenbroich nach Punta Cana

Die Anreise hat soweit gut geklappt. Ich bin am 5. um 8 Uhr zusammen mit Mama und Papa mit dem Zug zum Flughafen Köln-Bonn gefahren. Dort war es richtig leer und entspannt. Der Check-in ging dementsprechend schnell: Mein Reiserucksack bringt 16,5kg auf die Waage mein Handgepäckrucksack 8,5kg. Die Ukulele kriegt auch anstandslos ihren Handgepäck-Anhänger. Nachdem ich meinen Rucksack in Klarsichtfolie gewickelt beim Sperrgepäck abgegeben habe, bleibt noch Zeit für einen Kaffee. Um 10.30 Uhr gehe ich dann durch die Sicherheitskontrolle. Auch hier ist fast nichts los, ich kann im Prinzip direkt durchlaufen. Da mein Flugzeug um 11.55 Uhr abfliegt und es leer ist, habe ich noch etwas Zeit am Terminal Ukulele zu spielen. Am Gate treffe ich dann Romina. Ab Ende Januar ist sie auch mit in Samaná und über WhatsApp hatten wir herausgefunden, dass wir mit demselben Flugzeug anreisen. Sie ist allerdings mit zwei Freundinnen unterwegs und wir sitzen auch im Flugzeug weit auseinander. Mit 30 Minuten Verspätung fliegen wir dann um 12.25 Uhr ab. 

Der Flug war dann tatsächlich gar nicht so schlimm wie erwartet. Es war ja mein längster Flug bisher. Aber dank dickem Buch, das ich durchlesen konnte, Musik und zeitweiser Unterbrechung durch essen ging die Zeit doch einigermaßen schnell rum. Gegen 16.50 Uhr Ortszeit landen wir dann leicht verfrüht in Punta Cana. Im Landeanflug blitzen draußen mehrfach Regenbögen auf. Die Einreise läuft problemlos. Im Flugzeug musste man zwei Dokumente ausfüllen – eines zur Einreise, eines für den Zoll – und dann noch eine Touristenkarte für 10$ kaufen. Ich wechsle mir für den Anfang 4.000 Dominikanische Pesos. (wenn man Pesos durch 50 rechnet, kommt man auf €). Mal schauen, wie weit mich die 4.000 Pesos bringen. Die Preise sind teilweise günstig, teilweise ähnlich wie bei uns. Was bedeutet, dass vieles für die Einheimischen teuer ist. 

Im Anflug - seht ihr den Regenbogen?
Mit Claire, meiner Airbnb-Host hatte ich vorab die Möglichkeit besprochen, dass sie mir ein Taxi an den Flughafen schickt, hatte dann aber nichts mehr von ihr gehört. Als ich aus dem Flughafen laufe, steht aber tatsächlich ein Taxi-Fahrer draußen, der ein Schild mit meinem Namen und der Flugnummer hochhält. Für 40$ (vllt. überteuert, bestimmt der Touri-Preis) bringt er mich zur Unterkunft in Bavaro, Punta Cana. Aber komfortabel und ich muss nicht erst ein Taxi suchen. Anders als gedacht, wartet hier nicht Claire, sondern ihr Freund Frank auf mich. Erstmal etwas komisch, nun allein mit ihm in der Wohnung zu sein, aber ein kurzer Blick auf Airbnb bestätigt, dass es ihr Freund ist und alles seine Richtigkeit hat. Claire ist wohl in England, weil ihre Mutter gestorben ist. Deshalb hat sie ich wahrscheinlich auch nicht mehr bei mir gemeldet.

Ich mache mich kurz frisch, dann nimmt Frank mich mit, um mir die Umgebung zu zeigen. Er will mich eigentlich auf dem Mofa mitnehmen, was ich dankend ablehne, sodass wir laufen. Inzwischen weiß ich, dass das Mofa (Motoconcho) hier mit das gängigste Fortbewegungsmittel ist und auch als Taxi fungiert. Also werde ich wohl nicht darum herum kommen, demnächst auch mal damit zu fahren. Wenn man nicht aufpasst, hat man danach ein Motoconcho-Tattoo (eine Brandnarbe vom Auspuff). Einige der Freiwilligen haben es wohl schon. Das ist vermutlich auch der Grund, warum viele im Damensitz hinten mitfahren … Auf so ein Motoconcho passen dann auch gerne mal 4 Personen. Einen Helm trägt natürlich niemand. 

Von Punta Cana sehe ich – inzwischen im Dunkeln – hauptsächlich eine Straße, die Avenida Alemania, an der große Hotels, bzw. deren Grundstücksmauern liegen. Und eben auch der Apartmentkomplex in dem ich übernachte. Zusätzlich sind rechts und links ein paar Restaurants. Frank stellt mich allen möglichen Leuten vor, die wir auf der Straße treffen und erzählt mir allerhand auf Spanisch, wovon ich ca. die Hälfte verstehe. Er kommt ursprünglich aus Santo Domingo. Schon anders das Spanisch hier. Sehr schnell und genuschelt, da muss ich mich erst noch reinhören.
Wir treffen dann auch noch meinen Zimmervormieter, einen Dänen, der eigentlich im Kongo als Ingenieur irgendwas mit Zement arbeitet, aber im Dezember wegen der angespannten politischen Lage ausgeflogen wurde und jetzt quasi Urlaub hat, bis die Situation dort wieder sicherer ist. Er geht dann noch ein Stück mit uns mit.

Zurück im Apartment nötigt Frank mir noch ein Glas Rosé auf, weil wir ja, wie er sagt, leider nicht zusammen feiern und was trinken gehen können. Er geht dann wieder. Ich gehe gegen 20 Uhr (1 Uhr deutscher Zeit) schlafen, weil die Reise am nächsten Morgen ja schon um 6.45 Uhr weitergehen soll. 

Tag 2: Reise von Punta Cana nach Santa Barbara de Samaná

Meine erste Nacht war erstaunlich gut. Ich hatte befürchtet, wegen der Schwüle nicht schlafen zu können oder sehr früh aufzuwachen, weil es in Deutschland ja schon 5 Stunden später ist. Tatsächlich bin ich zwar ein paarmal aufgewacht und habe mir unter anderem mehr angezogen, konnte sonst aber gut schlafen. Mein Wecker klingelt um 5.30 Uhr.
Nachts hat es geregnet. Im Zimmer fühlt sich alles klamm an und im Bad rosten die Metallteile schon. Als ich meine Rucksäcke zum Packen anhebe flitzen drei Käfer weg. Die zwei kleinen erwische ich, aber der große flüchtet sich ins Bad. Da darf er bleiben. Zum Frühstück gibt’s zwei deutsche Fruchtriegel, die ich mitgenommen habe und Wasser. Frank hatte mir abends noch gesagt, ich solle ihn wecken, wenn ich gehe. Als er nach mehrfachem Klopfen und Rufen immer noch nicht reagiert, gehe ich aber einfach, ich muss ja zum Shuttle. Die Haustür muss ich dabei leider offen lassen, weil man sie nur abschließen kann, ich den Schlüssel aber ja drinnen liegen lassen muss.

Draußen ist es noch dunkel, dämmert aber langsam. Ich wende mich meiner GoogleMaps-Karte entsprechend nach links, wo das Hotel Barcelo Dominican Beach liegen soll, von wo mein Shuttle nach Samaná losfährt. Auf der Straße kommt mir als erstes ein Transporter entgegen, auf dem „Jesus te ama“ (Jesus liebt dich) steht. Solche Aufschriften sind hier weit verbreitet. Ich frage mich, inwiefern das auch verstanden und gelebt wird. Die Religion ist auf jeden Fall sehr präsent in der Öffentlichkeit und es geht wohl auch so gut wie jeder in die Kirche.

Am Ende der Straße muss ich feststellen, dass wohl leider irgendwas mit meiner ausgedruckten Google-Wegbeschreibung nicht stimmt. Denn was ich sehe, entspricht nicht der Karte. Ich spreche einen Mann an, der gerade ein Auto wäscht und frage ihn, ob er mir sagen kann, wo das Hotel Barcelo Dominican Beach liegt und wie ich da hinkomme. Von ihm erfahre ich, dass es inzwischen „Sunscape“ heißt und ich zurücklaufen muss. Hmm … vielleicht hat mir Frank das am Vorabend erzählt. Da war was mit Sunscape und dass ihre Wohnung bei Airbnb über Google falsch verortet ist... Der weitere Zusammenhang hat wohl zur Hälfte gehört, die ich dann nicht verstanden habe. Hätte ich mal nachgefragt und nicht einfach genickt, dann hätte ich mir das Gelatsche in die falsche Richtung wahrscheinlich sparen können. Ich bin aber noch ganz gut in der Zeit. Also wieder zurück zu Sunscape. Ich spreche noch zweimal Männer an, die mir das Gesagte bestätigen. Auf dem Weg halten zwei Mofafahrer neben mir an und wollen mich mitnehmen. Inzwischen weiß ich, dass das hier üblich ist (s.o.), aber ich frage mich trotzdem, wie sie sich das vorgestellt haben … ich trage schließlich vorne und hinten einen Rucksack. Ich lehne also ab und sehe auch prompt ein paar Meter weiter einen Mofa-Unfall. Der Fahrer ist wohl auf der nassen Straße auf einem der zahlreichen Verkehrsberuhigungshubbel weggerutscht. Er steht aber sofort wieder auf und fährt weiter.

Am Sunscape angekommen, stehe ich erstmal noch am falschen Tor, auf Nachfrage werde ich an den Haupteingang weiterverwiesen. Dort frage ich wieder einen Hotelangestellten, der mich auf ein Großraumtaxi hinweist, dass vorhin hupend neben mir gehalten hat. Da liegt tatsächlich ein Zettel mit meinem Namen hinter der Windschutzscheibe. Und so werde ich von Olvi nach Sabana de la Mar gefahren. Auf dem Weg sehe ich nun etwas mehr vom Land. Hinter uns geht langsam die Sonne auf, während am Horizont Hügelketten auftauchen. Über den Wiesen zwischen den Palmen liegt ein leichter Nebel im Morgenlicht. Mit steigendem Sonnenstand löst er sich rasch auf. Im Radio läuft Bachata-Musik.



Aussicht vom Steg in Sabana de la Mar
Nach ca. 2 Stunden Fahrt lässt mich der Fahrer am Landungssteg in Sabana de la Mar aussteigen und bringt mich zur Fähre. Also zum Boot, unter "Fähre" verstehen wir doch eher was größeres. Ich bin die einzige Touristin, außer mir fahren nur Einheimische mit. Und zwei Motorroller. Ob es einen Fahrplan gibt, weiß ich nicht so genau, es scheint, dass man losfährt, wenn das Boot voll ist.

Ich sitze eingequetscht zwischen einem etwa achtjährigen Mädchen ohne Berührungsängste und einem älteren Mann, der irgendwann sein Kirchengesangbuch herausholt und anfängt leise zu singen. Ich kann ihn durch den Motorenlärm kaum hören, aber lese die Texte mit, die hauptsächlich von Jesu Liebe zu uns handeln.
Die Fahrt über’s Meer gibt mir Zeit für die ersten Reflexionen.

Auf der Fähre
Karibik – das klingt für uns so glamourös. Wir denken an Palmen, lange weiße Sandstrände, Pina Colada … vielleicht auch an Piraten. Mein erster, im Vorbeifahren gewonnener Eindruck ist ein anderer. Ich sehe zwar Palmen und Sandstrände, aber auch Häuser aus Wellblech und Betonhäuser, die eigentlich eher Bauruinen sind, in denen aber trotzdem Menschen leben. Oft sind sie farbenfroh angemalt. Neben dem Mofa ist – zumindest auf dem Land – wohl auch das Pferd ein beliebtes und verbreitetes Fortbewegungsmittel. Am Straßenrand und auch an den Stränden, die nicht extra für Touris hergerichtet sind, sieht man viel Müll und Schrott liegen.

Um 10.45 Uhr – eine Stunde früher als gedacht – komme ich dann in Samaná am Hafen an. Ich rufe kurz Julia an, um ihr zu sagen, dass ich schon da bin und um 11 Uhr holt sie mich dann mit einer Art Motor-Riksha-Taxi ab und bringt mich zu meiner Gastfamilie.

Erster Blick vom Hafen auf Samaná
Meine Gastmutter ist noch bei der Arbeit, deshalb werde ich von ihrer Tochter, deren Tochter und weiteren Frauen begrüßt. So ganz bin ich durch die Verwandschaften, Beziehungen und Funktionen der Personen hier im Haushalt immer noch nicht durchgestiegen, aber es wird. Dazu dann später mehr.

In meinem Zimmer, im Bad und in der Küche wartet dann der Kulturschock auf mich. Manchmal denke ich, dass es auch ein Fluch sein kann, wenn man deutsche Sauberkeit und den europäischen Standard gewöhnt ist. Denn da kommt quasi nichts dran. Ich weiß nicht genau, womit ich gerechnet habe ... ich war im ersten Moment einfach nicht darauf eingestellt. Aber nach dem ersten Gedanken "So kann man doch nicht leben", sagt dann die Reflexion: "Doch, kann man. Und wirst du." Ich glaube, dass ich hier sogar noch einen gewissen Standard habe. Zwar nur ein Rohr und nur kaltes Wasser (wenn es Wasser gibt), aber immerhin eine Dusche, eine Toilette und ein Waschbecken. Und mein Zimmer ist auch echt in Ordnung. Halt nicht ganz so sauber und schön, wie ich es gewöhnt bin. Aber genau das wollte ich ja. Mal raus aus der Komfortzone, eine andere Lebensweise kennenlernen, einfacher leben. Das hat also geklappt, fühlte sich im ersten Moment aber nicht so toll an. Man fühlt sich eben doch wohl in seiner Komfortzone. Inzwischen habe ich mich aber schon daran gewöhnt. Und bin froh über den Kurzhaarschnitt, denn der ist wirklich praktisch bei geringem Wasserdruck, kaltem Wasser und ohne Föhn.

Im nächsten Post hört und seht ihr dann mehr von meinen ersten Tagen in Samaná, denn dieser ist jetzt wirklich schon lang genug ;)

Mittwoch, 4. Januar 2017

Vorabendliche Gedanken

Eigentlich wollte ich den nächsten Eintrag erst nach meiner Ankunft in der Dominikanischen Republik schreiben. Aber jetzt teile ich doch schon diese Gedanken am Abend vor meinem Abflug mit euch:

Wow, ok, jetzt ist es also tatsächlich so weit. Zwei gepackte Rucksäcke (mit vermutlich zu viel Zeug...) und die Ukulele warten darauf, dass ich sie mir morgen schnappe, nach Köln fahre und mit ihnen in den Flieger nach Punta Cana steige.


Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wie ich mich vor ziemlich genau 6 Jahren gefühlt habe, am Abend bevor es losging nach Toronto. War ich nervös, traurig, vorfreudig? Ein kurzer Blick in meinen damaligen Blog (c-anna-da.blogspot.de für die, die's interessiert) sagt mir, dass ich mich wohl sehr gefreut habe. Das tue ich jetzt auch. Eigentlich. Meistens. :D 

Im Moment verstehe ich eher, warum alle immer gesagt haben, dass das, was ich mache, mutig sei. Denn es fühlt sich gerade so an, als müsste man schon ziemich mutig sein, um diesen Schritt zu gehen. Klar, im Prinzip bin ich ihn ja schon längst gegangen. In Gedanken schon seit beinahe einem Jahr und tatsächlich mit der Kündigung Ende August und allem, was seitdem bis heute gefolgt ist. Was es wirklich bedeutet, beginne ich aber tatsächlich erst jetzt so richtig zu spüren. Vielleicht, weil in den letzten Tagen und Wochen einfach noch so viel los und zu tun war. Erst heute Abend wird mir nun langsam bewusst, dass sich meine Träumereien und Planungen nun verwirklichen. Ab morgen. Jetzt wird auch die Zeitdimension greifbarer... 
3 Monate, 7 Monate ... 2,5 Jahre ...

Im Dezember hat mich der Kalender-Monatsspruch aus Jesaja 41,10 begleitet und ich nehme ihn mit in dieses Jahr und auf die Reise (die Stelle hat mich übrigens auch zu meinem neuesten Song inspiriert https://soundcloud.com/annaneymusic/at-your-right-live-131216): "Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich mache dich stark, ich helfe dir."

Und so kann ich – auch wenn es sich stellenweise vielleicht anders anfühlt – mutig und voller Erwartung in dieses Jahr und alles, was vor mir liegt, gehen. Damit möchte ich auch euch ermutigen. Es kann manchmal beängstigend sein, den Schritt zu wagen und seinen Träumen zu folgen. Aber es ist das Richtige, denn ihr habt diese Träume aus einem Grund und ihr seid nicht allein.

Vor dem Schlafengehen lese ich jetzt noch einmal all eure lieben Karten und denke an eure ermutigenden Abschiedsworte und Wünsche. Es ist so wertvoll, Menschen in seinem Leben zu haben, die einen unterstützen, ermutigen und daran erinnern, dass der Weg, den man geht, der ist, den man gehen will.

Vielen Dank für alles, 2016 war toll mit euch und 2017 wird großartig. Go, live your dreams :)




Dienstag, 3. Januar 2017

Der Plan Part I: Januar – April 2017: Dominikanische Republik, Santa Barbara de Samaná



3.11.2016
Ursprünglich dachte ich ja, ich würde nach Peru gehen. So genau weiß ich auch nicht, wie ich auf Peru gekommen bin. Wahrscheinlich hab ich das einfach so mitgekriegt – einer aus dem Chor ging nach Peru, Jule in den Urlaub dorthin und als ich dann noch plötzlich eine Banane aus Peru in der Hand hielt, schien alles klar. 

Also habe ich nach möglichen Projekten in Peru gesucht, vor allem in Waisenhäusern. Weil ich irgendwo gelesen hatte, dass ich als Kind mal ein Waisenhaus haben wollte, wenn ich groß bin und mir dachte: Wenn schon das nicht, dann sollte ich doch vielleicht in meinem Leben zumindest mal in einem gearbeitet haben. Ich wollte dort 2 Monate verbringen und danach noch einen Monat durch Südamerika reisen. Nach einer Weile habe ich dann Elim Cusco entdeckt, ein christliches Kinderheim in Cusco. Der Kontakt wird über zwei Österreicher und deren Seite http://www.fairien.at/ vermittelt. Im Mai habe ich mich dann zum ersten Mal bei Thomas und Charlotte gemeldet und in den laufenden Wochen alles soweit geklärt, dass ich eigentlich nur noch meinen Flug buchen sollte. Was ich aus irgendeinem Grund immer weiter aufgeschoben habe. Die Südamerikareise war irgendwie auch so ein großes Fragezeichen … Wie kann ich die überhaupt machen, allein, eigentlich will ich nicht allein …
Und dann kam Anfang September eine Mail von Charlotte, ich solle doch bitte noch mit der Flugbuchung warten, es gäbe gerade Probleme mit der Organisation, sie würden mir im Oktober Bescheid geben. Da das sowieso in die stressige Phase vor der Kanzlerjahrestagung fiel, habe ich mich erstmal nicht so sehr darum gekümmert, obwohl natürlich der Gedanke da war: „Und wenn es nicht klappt?“ Dann müsste ich ja nochmal ganz von vorne anfangen und inzwischen war der Januar ja nun auch nicht mehr soo weit weg...
Also habe ich Anfang Oktober vorsichtshalber nochmal angefangen zu suchen. Nicht auf Peru beschränkt, weil ich mir dachte, „Was soll’s, wenn grad eh alles infrage steht, kann ich auch nochmal ganz unvoreingenommen in allen spanischsprachigen Ländern suchen.“ Dabei bin ich dann auf der Seite von http://www.welt-sicht.org auf ein Projekt in Samaná in der Dominikanischen Republik gestoßen, das spannend klang: Dominikanische Republik - NGO Management und Verwaltung: „Dieses vielseitige Programm ist perfekt für Freiwillige, die mehr darüber erfahren wollen, wie eine kleine NGO (Non Government Organization) geführt wird. Es richtet sich an alle, die in einer NGO mitarbeiten wollen, oder die vielleicht selbst gern eine Wohltätigkeitsorganisation gründen möchten. Du beobachtest und hilfst dem Koordinator bei der Büro- und Verwaltungsarbeit, der Projektunterstützung sowie der Koordination und Überwachung unserer gemeinnützigen Programme.“ 
Und Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gehört auch noch mit dazu. NGOs hatte ich schon seit Längerem als Arbeitsbereich im Hinterkopf. Und dann ging alles ganz schnell. Nach ein wenig Recherche habe ich die Website der Organisation selbst gefunden (Aldeas de Paz, http://www.peacevillages.org/) und mich in einer Nachtaktion am 5. Oktober bei ihnen für das Programm beworben. Am 6. Oktober kam schon die positive Nachricht von Manfred, dem Leiter der Organisation, dass ich ab Januar bei ihnen mitarbeiten kann. Vegetarisches Essen ist auch in der Familienunterkunft kein Problem und man kann bleiben, solange man will. Ich solle doch meinen Flug buchen und bescheid geben. 

Am 8. kam dann auch aus Peru die Nachricht, dass sich alles geklärt hat und ich jetzt meinen Flug buchen könnte. Für mich war allerdings zu dem Zeitpunkt schon klar, dass ich in die Dominikanische Republik gehen möchte. Ich habe das Gefühl, dass das der Ort ist, an den ich gehen soll und dass die Probleme in Peru aufgetaucht sind, damit ich mich nochmal auf die Suche mache und das Projekt finde. Hier hatte ich von Anfang an eine Begeisterung, die mir für Peru aus irgendeinem Grund gefehlt hat. Ich habe an dem Morgen mit der positiven Antwort aus Samaná das Lied „Manamana“ umgedichtet in „Aldeas de Paz, badibidipi, in Samaná, badibidi“. Und spätestens seit ich weiß, dass in dem Zeitraum, in dem ich dort sein werde, Buckelwale in die Bucht von Samaná kommen, bin ich restlos begeistert und freue mich total darauf. Also heißt es ab Januar: "Samaná - Anna da". Zum Glück hatte Thomas von Fairien Verständnis dafür, dass ich mich nach einer Alternative ungesehen habe und jetzt dorthin gehen möchte: „Schade für uns, aber sicher super für das andere Projekt“. 
Ich hatte vorher keine Ahnung von der Dominikanischen Republik, sie war gar nicht auf meinem Schirm. Ich wusste nicht einmal, dass es dieselbe Insel ist wie Haiti, das genau an dem Wochenende, an dem ich meinen Flug gebucht habe, von Hurrikan Matthew verwüstet wurde. Und jetzt werde ich dort für 3 Monate leben. Die ersten 4 Wochen ab dem 6. Januar in einer Familie, dann 7 Wochen im Guesthouse, Studio Apartment und in diesen 11 Wochen im Projekt mitarbeiten. Die letzten 2 Wochen bis zu meinem Rückflug am 6. April habe ich dann noch Zeit zum Reisen. Meine erste Station ist also soweit geplant.

3.1.2017 
Dass ich diesen Eintrag oben geschrieben habe, ist nun genau zwei Monate her. 

Übermorgen fliege ich um 11.55 Uhr ab Köln nach Punta Cana. Ankunft nach 10:20 Stunden Flugzeit um 17:15 Uhr Ortszeit (22:15 Uhr in Deutschland, also 5 Stunden Zeitverschiebung). In Punta Cana verbringe ich die erste Nacht über Airbnb bei Claire. Um 6.45 Uhr nehme ich dann am nächsten Morgen zuerst den Bus und dann eine Fähre nach Samaná, wo mich bei meiner Ankunft um 11:45 Uhr am Busbahnhof von der Koordinatorin Julia abgeholt und zu meiner Gastfamilie gebracht werde.

Ich bin seit dem Morgen nach meiner Abschiedsfeier mit Julia und Manfred über Whatsapp in Kontakt und in der Freiwilligen- und Lehrer-Gruppe. Das kam wirklich genau passend, dass sie sich genau an dem Tag bei mir gemeldet haben. So war der Übergang praktisch nahtlos :)

Soweit ist jetzt auch alles bereit. Reisepass, internationaler Führerschein, Impfungen, Adapter, Reiseapotheke. Flugticket, Wegbeschreibungen, Busticket, Airbnb-Reiseplan und Versicherungsunterlagen sind ausgedruckt und bereit eingepackt zu werden. Alle Umzugskartons sind durchsortiert und soweit verstaut. Es gibt einen Karton mit Sachen, die ich mitnehmen wollen könnte. Den muss ich jetzt noch einmal durchgehen und aussortieren, was wirklich in den Rucksack wandert und was zurückgelassen wird. Damit werde ich wohl meine letzten Stunden in Grevenbroich verbringen. 

Es ist schon seltsam. Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich schon so ganz realisiert habe, was in den letzten Wochen und Monaten passiert ist und was in den nächsten Wochen und Monaten passieren wird. Dass ich wirklich gekündigt habe und aus Konstanz weggezogen bin, obwohl ich so gern dort gelebt habe. Und dass ich am Donnerstag in ein Flugzeug steige und drei Monate in der Karibik leben werde. Und dass das nur der Anfang ist und dass, so Gott will, die Reise nach kurzer Deutschland-Unterbrechung dann Mitte Mai weitergeht und ich zum wwoofen und Creative Arts am Bible College studieren für 7 Monate nach Kanada gehe.  

Zu den genauen Kanada-Plänen gibt's nochmal einen gesonderten Eintrag - dann von jenseits des Atlantiks :)

Sonntag, 1. Januar 2017

Wenn Neues anfängt, muss Altes enden…



Mein letzter Blogeintrag ist schon wieder ein Weilchen her. Das liegt daran, dass die letzten Wochen sehr erfüllt, erlebnis- und arbeitsreich waren. Ich werde versuchen aus dem Ausland häufiger und regelmäßiger zu schreiben.

Der Titel dieses Posts bezieht sich darauf, dass meine Zeit in Konstanz nach mehr als 5 Jahren ein Ende gefunden hat. Das hieß einerseits „Umzug vorbereiten“ und andererseits „Mitnehmen was geht“. Zusammengenommen führt das dann zu recht kurzen Nächten :D

Meine offizielle Abschiedsfeier habe ich schon am 10.12. gefeiert. Nachmittags hat mich bei den Vorbereitungen kurz die Schwermut samt Abschiedsschmerz überfallen, aber der Abend war dann sehr schön. Vor allem habe ich eine Ukulele geschenkt bekommen, die mich ab jetzt vermutlich auch auf meinen Reisen begleiten wird :)

Am 12.12. hatte ich dann meinen letzten offiziellen Arbeitstag. Das hieß, bis dahin möglichst alle noch offenen Projekte abschließen und Unterlagen für die Übergabe an meine Nachfolgerin erstellen. Letzteres hat ganz gut geklappt, ersteres leider weniger gut, sodass ich letztendlich doch noch zwei Abrechnungen wegen ausstehender Rechnungen mit übergeben musste. Soweit bin ich trotzdem zufrieden. Nach drei Jahren Veranstaltungsmanagement fiel dann abends kurz vor der Chorprobe zum letzten Mal die Tür hinter mir ins Schloss (zumindest offiziell, denn inoffiziell war ich dann in meinem Urlaub am 19. nochmal da, um Schlüssel, Mitarbeiterausweis etc. zurückzugeben und noch ein kurzes Abschlussgespräch mit meiner Chefin zu führen).

Freizeittechnisch standen in den letzten zwei Wochen – in denen ich zum Glück schon frei hatte – neben Chor (Probenwochenende und Adventssingen) und Hillsong (Kleingruppe, Auftritt beim Christmasdinner, Kids) und diversen Kaffee-Dates vor allem noch SMD-Aktivitäten auf dem Plan: Hauskreis, Kleinkunstabend, Lobpreisprobe, Shamrock, Deli, Karaoke, Clubbing, Examensfeier, Weihnachtsfeier…  Und an meinem letzten Abend ein Lobpreisabend. Einen besseren Ausklang hätte ich mir für meine Zeit in Konstanz nicht wünschen können. Denn es waren 5 Jahre, die einen wertvollen Lebensabschnitt für mich darstellen und auf die ich voller Dankbarkeit zurückblicke. Um beim Lobpreisabend dabei sein zu können, hatte ich dann auch extra meinen Umzug noch einmal um zwei Tage verschoben.

Dieser stand dann am 22.12. an. Vorher hieß es aufräumen, umräumen, ausräumen, Kartons packen, putzen, streichen, aussortieren, Sachen verschenken. Teilweise hat mich das alles schon gestresst und zwischendurch habe ich auch kurz darüber nachgedacht, Mietnomade zu werden, mir meinen Rucksack mit ein paar wichtigen Sachen zu packen und einfach zu gehen. Hab ich dann doch nicht gemacht und es hat im Endeffekt auch alles gut geklappt, auch wenn ein Umzug für eine allein schon eine ganz schöne Herausforderung ist. Wer meinen #praisebreak auf facebook gelesen hat, weiß schon, dass ich keinen einzigen Umzugskarton gekauft habe. 4 hatte ich selbst noch im Schrank, 13 habe ich von unbekannten neuen Hausbewohnern auf Nachfrage an der Eingangstür geschenkt bekommen, 7 weitere von meinem Kollegen Mats und alle weiteren von meiner Flurnachbarin und Kollegin Susan. Darin verschwanden dann nach und nach Bücher, Ordner, Klamotten und alles weitere, was sich in 5 Jahren wohl so ansammelt.

Die Freude über meinen finnischen Nachmieter, der noch am 15.12. bei mir gewesen war, um sich alles anzuschauen und mir zu sagen, welche Möbel er nun wirklich behält – wobei er mir schon vorher per Mail mitgeteilt hatte, dass er alles nehmen würde, wenn der Preis stimmt – bekam leider noch einen ordentlichen Dämpfer. Denn dabei, dass er alles übernimmt, blieb es zwar am 15. Allerdings leider nur bis zum 18. Montagmorgens las ich dann seine Mail, dass er die Möbel im Wohnzimmer nun leider anders als besprochen doch nicht nehmen könne. In meiner Unerfahrenheit und Vertrauensseligkeit hatte ich natürlich versäumt, mir die Übernahme aller Möbel schriftlich geben zu lassen. Also mussten zusätzlich zu den Kartons plötzlich auch noch 2 Sessel, Sofa, Bücherschrank, Wohnzimmertisch und TV-Tisch mit. Zum Glück hatte ich schon einen großen Transporter reserviert. Das Gute daran war nun rückblickend, dass dadurch mein Vater doch spontan als Umzugshelfer nach Konstanz kam. Ohne ihn hätte ich nämlich vermutlich nicht mal den Transporter bekommen, weil es ein Problem mit meiner Kreditkarte gab. Und fahren wollen hätte ich das Ding dann tatsächlich auch nicht – das war schon ein kleines Monster.

Eine meiner letzten Amtshandlungen in Konstanz war ein Haarschnitt bei Jaqueline im Salon Nico. Denn wie das bei Frauen so ist, muss bei Veränderung natürlich auch ein neuer Haarschnitt her ;) Also von lang und blond auf kurz und braun (s.u.). Ich mag's sehr. Es ist praktisch, unkompliziert und sieht so abenteuerlustig aus, wie ich mich fühle. Die beiden ca. 35cm langen abgeschnittenen Zöpfe werden hoffentlich bald von "Den Haarspendern" in Wien zu einer Echthaarperücke verarbeitet, die dann an jemanden gespendet werden kann, der durch Krankheit seine Haare verloren hat.





Der Umzugstag selber war dann straff durchgetaktet: 8 Uhr Umzugswagen bei Hertz abholen, 8.15 Uhr Ankunft der Helfer, Wohnung ausräumen und übergabefertig machen, 11.00 Uhr Übergabe. Dank Susan, Tabea, Flo, Johannes, Johannes, Michi, Jonas, meinem Vater und mir lief dann auch alles nach Plan. Und ich hatte sogar den Parkplatz vorm Haus, für den ich gebetet hatte, nachdem ich leider zu spät dran gewesen war, um noch eine Halteverbotszone (für 170€) einrichten zu lassen. Um 12.30 Uhr ging dann die Fahrt mit Transporter und PKW los Richtung Grevenbroich, wo wir gegen 20 Uhr ankamen. Dort bestand das Umzugshelferteam zwar leider nur noch aus 4 Personen (Mutter, Vater, Onkel und ich), aber mit vereinten Kräften war der Wagen nach relativ kurzer Zeit leergeräumt und das Haus vollgestellt. 


Heute sitze ich immer noch zwischen Kartons in meinem alten Kinderzimmer, aber das Ende ist in Sicht. Zwischenzeitlich wollte ich kurz alles einfach verbrennen – wer braucht eigentlich so viel Zeug? Zum Glück ist das dann noch in Aktionismus umgeschlagen, sodass ich jetzt einfach mal radikaler aussortiere. Was bleibt wandert in Schränke und Kartons bzw. meinen Reiserucksack.

Und nun bin ich schon seit 1,5 Wochen wieder in Grevenbroich gemeldet und wohne bei meinen Eltern, bis es in vier Tagen heißt: Adiós Alemania, bienvenida en la Republica Domenica
Dazu dann mehr im nächsten Post.